Schon lange haben wir die Zeiten hinter uns gelassen, in denen Bewerber eine vollständige Bewerbungsmappe mit kopierten Zeugnissen per Post zu einer Firma senden und der zuständige Mitarbeiter hinter Papierbergen verschwindet. Abgelöst wurde dieser altbekannte Prozess durch Online-Bewerbungen, in denen man Bewerbungen als PDF per Mail oder über ein Formular einschicken kann. Dies ist heute noch Standard. Dazu passt, dass Personaler Online-Jobportale und die eigene Firmen-Karriereseite nutzen, um Jobanzeigen zu schalten und zu publizieren. Langsam aber sicher entwickelt sich dieser Prozess nun aber weiter und auch in der Schweiz wird das Thema Social Recruiting immer wichtiger. Heute möchten wir gerne eine erste Einführung in das Thema geben und Ihnen zeigen, welche Möglichkeiten es für Sie und Ihr KMU gibt Arbeitnehmer zu finden.

Unter Social Recruiting versteht man die Beschaffung von Personal auf den Sozialen Netzwerken. Bitte verwechseln Sie das Social Recruiting nicht mit dem Posten und damit Verbreiten von Jobanzeigen, denn dies wird dem Potential von Social Recruiting nicht gerecht. Ziel von Social Recruting (SR) ist die Gewinnung von Mitarbeitenden, die Positionierung des eigenen Unternehmens als attraktiver Arbeitgeber und die eigenen Mitarbeitenden als Botschafter für das Unternehmen zu gewinnen. Grundsätzlich unterscheidet man im SR zwei verschiedene Ansätze:

  1. Ansprache und Gewinnung neuer Talente über eine Firmenpräsentation zum Beispiel mittels einer Unternehmensseite auf LinkedIn, Facebook oder XING
  2. Die Präsentation des Unternehmens und dessen Mitarbeiter in sozialen Medien und die Wahrnehmung durch potentielle Arbeitnehmer

Ansatz 1 ist limitierter in Bezug auf die erreichbaren Personen. Durch die Konzentration auf die eigenen Unternehmensseiten spricht man vor allem die Talente an, die gezielt nach dem Unternehmen suchen. Ich möchte Ansatz 1 fast als „SR light“ beschreiben, denn dieser Ansatz bietet eine hohe Sicherheit in Bezug auf wie man sich als Firma präsentiert. Ihr Personaler ist verantwortlich für die Inhalte und somit auch für die Darstellung der Firma auf dieser Seite. Auch ist der Aufwand hier geringer als bei Variante 2, denn Sie managen eine Seite bzw. nutzen die selben Inhalte für verschiedene Plattformen. Doch Ansatz 1 bietet auch Gefahren SR nicht wirklich umzusetzen, sondern sich vor allem darauf zu konzentrieren, Jobanzeigen zu veröffentlichen und zu verbreiten. Zunächst möchten wir noch kurz auf Variante 2 eingehen, bevor wir Ihnen erläutern, wie genau Sie dieser Gefahr aus dem Wege gehen und Ihr Social Recruiting richtig angehen.

Ansatz 2 ist also der etwas aufwendigere Ansatz, der vor allem ein Committment Ihrer Personaler braucht. Inhalte können in Foren, in Blogs, in Gruppen und auf Seiten der Zielgruppe verbreitet werden. Um dies erfolgreich zu tun, braucht es abwechslungsreiche und vielfältige Inhalte, die über Job- und Firmenbeschriebe hinausgehen. Deshalb ist auch die Einbindung von Mitarbeitenden hier interessant: einerseits gibt es vielfältigere und mehrschichtige, also abwechslungsreiche Inhalte,anderseits ist auch die Bearbeitung der Social Media weniger aufwendig, je mehr Personen sich diese Aufgabe teilen. Doch das wahre Geheimnis des Einbezugs von Mitarbeitenden ist der Mehrwert, den Sie für potentielle Arbeitnehmer schaffen können und der Sie als Arbeitgeber beliebt macht. Dieser entsteht durch ehrliche Einblicke den Mitarbeiter in ihren Arbeitsalltag, ihre Aufgabe und die Firma an sich gewähren. Dies kann in Form von Instagram-Stories sein, die Einblicke in den Arbeitsalltag geben oder in Form von einem Facebook-Live Video, das die Mitarbeiter bei der Arbeit zeigt oder oder oder. Der Kreativität ist keine Grenze gesetzt. Die Königsdisziplin ist hier, wenn Sie den Mitarbeitenden freie Hand geben oder die Mitarbeiter tatsächlich von sich aus auf die Idee kommen, Ihr Unternehmen zu thematisieren. Zeigen Sie sich offen für diese Möglichkeit, seien Sie aber darauf vorbereitet, das auch Kritik laut werden kann und reagieren Sie dementsprechend auf diese. So wirken Sie ehrlich und offen und bekommen wertvolle Rückmeldungen, wie Sie das Arbeitsumfeld Ihrer Mitarbeiter positiver gestalten können. Das Ergebnis kann u.a. eine niedrigere Mitarbeiter-Fluktuation sein.

Doch kommen wir nun zur konkreten Umsetzung und Ihrem Vorgehen, wenn Sie als KMU-Inhaber nun Gefallen am Thema SR gefunden haben.

  1. Integrieren Sie SR in das gesamte Recruiting und nutzen Sie verschiedenste Kanäle um Ihre Firma, offene Stellen und andere Inhalte zu transportieren. Denken Sie dabei an eine Marketing-Kampagne und holen Sie sich vielleicht sogar die Hilfe des Marketing-Teams, um die Recruiting-Kampagne richtig und auf vielen verschiedenen Kanälen umzusetzen.
  2. Nutzen Sie eine breite Auswahl an Social Media Kanälen, geeignet sind so ziemlich alle. Wichtig ist die Abstimmung mit Ihrer Zielgruppe, sprich wen suchen Sie für Ihre Firma. Manch ein KMU wird dies pauschal beantworten können, haben Sie ein grösseres Unternehmen ist diese Frage eventuell vielschichtiger bei Ihnen zu beantworten. Aber auch dies ist kein Problem, egal ob Sie immer dieselbe Plattform nutzen oder verschiedene für verschiedene Zielgruppen, wichtig ist dass die Plattform zum gesuchten Kandidaten passt.
  3. Egal welche Art von Content Sie nutzen wollen (Videos, Fotos, Live-Feeds, Posts, Testimonials etc.) achten Sie auf eine gleichbleibende Tonalität und Aussagen, Bilder und Farben, die immer wieder auf Ihre Firma verweisen. Im besten Fall nutzen Sie hier ihr bestehendes Corporate Design, sollte dies nicht so ausgebaut sein oder ein wenig „verstaubt“ wirken, dann entwickeln Sie ein eigenes für die Mitarbeitergewinnung. Überlegen Sie sich, wofür Sie stehen möchten bei Mitarbeitenden und setzen dies in Farben, Schriften, Bildern und Aussagen um.
  4. Erstellen Sie eine Talent-Datenbank und sammeln Sie alle Informationen, die User ihnen zur Verfügung stellen. Dies können Zahlen sein auf welche Beiträge reagiert wurde, dies können direkte Ansprachen sein oder final eben Bewerbungen. So haben Sie einerseits eine Erfolgskontrolle, können aber auch basierend darauf Anpassungen im Social Recruiting-Prozess machen.
  5. Beziehen Sie Mitarbeiter mit ein, egal in welcher Form. Machen Sie deutlich, dass es Ihnen gefällt, wenn Mitarbeiter über Ihren Arbeitsalltag, Ihre Firma etc. sprechen und setzen Sie klare Regeln (sprich was ist Tabu und darf nicht thematisiert werden – bitte achten Sie hier ebenfalls darauf, diese Verbote nachvollziehbar zu begründen). Überlegen Sie zusammen mit Ihren Mitarbeitenden ob dies koordiniert oder unkoordiniert passieren soll. Am einfachsten richten Sie einen Hashtag ein, sodass bei einer Suche nach Ihrer Firma all diese Beiträge dem Suchenden sofort ersichtlich werden. Je offener Sie in diesem Bereich sind, desto vorteilhafter wird dies für Sie sein: Ihre jetzigen Mitarbeitenden fühlen sich wertgeschätzt und bekommen Ihr Vertrauen deutlich zu spüren und zukünftige Mitarbeiter können einschätzen, das Sie nichts zu verbergen haben und offen sind. Und selbst wenn etwas negatives hochkommt, nutzen Sie dieses: niemand ist perfekt und aller Wahrscheinlichkeit auch Ihr KMU nicht. Wie immer im Bereich Social Media geht es aber darum, wie mit diesem „nicht-perfekt-Sein“ umgegangen wird. Reagieren Sie offen und konstruktiv .
  6. Seien Sie kreativ! Nichts ist unmöglich, richtig oder falsch! Von daher seien Sie offen und testen verschiedene Ansätze. Beobachten Sie die Ergebnisse genau und leiten daraus Ziele ab (oder sollten Sie bereits im Thema sein, gleichen Sie die Ergebnisse mit Ihren vorher gesetzten Zielen ab). So nähern Sie sich dem best möglichen Ergebnis.

Wir hoffen Ihnen heute einen ersten Einblick in das Thema Social Recruiting gegeben zu haben und eine Idee, wie Sie dieses Thema angehen können in Ihren KMU. Gerne unterstützen wir Sie dabei, die Kampagnen aufzusetzen oder das Thema anzugehen. Wir wünschen auf jeden Fall viel Erfolg bei der Umsetzung!